JW 09.09.08: Hamburg-Moorburg: Greenpeace und Gegenstrom08 fordern Baustopp von Kohlekraftwerk
Hamburg. Aus Protest gegen den Bau des Kohlekraftwerks in Hamburg-Moorburg haben 15 Greenpeace-Aktivisten am Montag in der Morgendämmerung den Rohbau eines Versorgungsschachtes auf der Baustelle erklommen (Foto). Ihre Forderung schrieben sie in drei Meter großen Buchstaben an den 80 Meter hohen Turm. Greenpeace fordert vom Energiekonzern Vattenfall, den Bau des Klimakillers sofort zu stoppen, und erwartet von der grünen Umweltsenatorin Anja Hajduk (GAL), die Genehmigung nicht zu erteilen. »Klimaschutz ist für Vattenfall ein Fremdwort. Dieses Megakraftwerk darf in Hamburg niemals in Betrieb gehen«, forderte Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. Die Umweltbehörde habe das Recht auf ihrer Seite, dieses »Wahnsinnsprojekt« zu verhindern. Die Behörde wird voraussichtlich bis Mittwoch endgültig über den Antrag des Stromanbieters zur Errichtung des Kraftwerks entscheiden.

Ebenfalls am Montag besetzten Aktivisten der Kampagne »Gegenstrom08« das Büro der Grünen in Hamburg. Auch sie forderten den sofortiger Baustopp in Moorburg »statt schwarz-grüner Vogel-Strauß-Politik«. Das Kraftwerk würde bei seiner Inbetriebnahme den CO2-Ausstoß Hamburgs um 40 Prozent erhöhen und die umliegenden Stadtteile massiv mit Feinstaub belasten. Zudem würde das Kraftwerk – genau wie die weiteren mehr als 20 in Deutschland geplanten Neubauten – die ineffiziente und klimaschädliche Kohleverstromung auf Jahrzehnte festschreiben und damit allen Klimaschutzzielen hohnsprechen. »Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken«, hätten die grüne Umweltsenatorin und ihre Partei den politischen Konflikt mit dem Unternehmen suchen sollen, sagte Christoph Kleine, Sprecher von »Gegenstrom08«. Nach etwa einer Stunde beendeten die Umweltschützer die Besetzung. »Gegenstrom08 wird seine Aktionen des zivilen Ungehorsams gegen den Bau von Moorburg fortsetzen«, kündigte Kleine an. »Wir haben kein Vertrauen, daß eine andere Klimapolitik von Parteien, Regierungen oder Gerichten durchgesetzt wird«, so der Aktivist. Das könne nur eine widerständige Bewegung von unten. Über den Ausstieg aus der Kohleverstromung hinaus fordert das Aktions- und Umweltbündnis die entschädigungslose Enteignung der Energiekonzerne und den Einstieg in eine demokratisch kontrollierte ökologische und soziale Energieversorgung.(jW) ... [Zum Artikel]
 
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