| Carbon Trade |
Was ist eigentlich Carbon Trade?
Die internationale Klimapolitik setzt immer stärker auf das Instrument des Carbon Trade. Ins Deutsche wäre der Begriff sinngemäß etwa so zu übersetzen: Handel mit Verschmutzungsrechten. Bezogen sind diese Rechte meistens auf die Kohlendioxidemissionen (CO2), die vor allem bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe durch Industrie, Verkehr und Privathaushalte entstehen. Um weiterhin emittieren zu dürfen, sollen sich die Emittenten entweder bei jenen Firmen freikaufen, die bei ihrer Produktion weniger CO2 abgeben, als ihnen von einer staatlichen Emissionshandelsstelle zugestanden wurde (was als Einsparung definiert wird). Oder sie müssen so genannte CO2 -Senken wie etwa Aufforstungsprojekte subventionieren, um den Kohlenstoff andernorts wieder zu binden (was angeblich das Klima verbessert).
Gefordert und gefördert wird Carbon Trade vom Kyoto-Protokoll und vielen anderen Programmen der internationalen Klimapolitik. Inzwischen hat der globale Carbon Trade-Markt ein Volumen von jährlich 30 Milliarden US-Dollar erreicht. Wie bedeutsam er ist, verdeutlichen auch die Zahlenverhältnisse bei der UN-Klimakonferenz in Bali im Dezember 2007. Die größte NGO-Delegation wurde von der International Emissions Trading Association (ETA) entsendet. Sie bestand aus 336 RechtsanwältInnen, FinanzexpertInnen, EmissionshändlerInnen, BeraterInnen, GutachterInnen und ExpertInnen von Unternehmen wie Shell. Die Delegation stellte damit 7,5 Prozent der Delegierten in Bali und überragte die größten Umweltorganisationen wie WWF (2 Prozent Delegierte) und Greenpeace (1,6 Prozent) um ein Vielfaches.
Carbon Trade ist ein genuin neoliberales Instrument zur Verwaltung der Klimakrise. Mächtige Akteure stellen einen vermeintlich »freien« Weltmarkt her, bei dem sie sämtliche Terms of Trade bestimmen. Sie legen fest, wer das »Recht zur Verschmutzung« hat, wer wieviel dafür bezahlen muss, welche Technologien als emissionsreduzierend gelten, welcher Geldwert den virtuellen CO2-Einsparungen zugesprochen wird, nach welchem Modus abgerechnet wird und wer überhaupt am Carbon Trade-Markt teilnehmen darf. In Deutschland ist die beim Umweltbundesamt eingerichtete Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) dafür zuständig. Im Zeitraum von 2005 bis 2007 hat sie rund 1.200 Unternehmen insgesamt 1.485 Millionen handelbare Emissionszertifikate zugewiesen. Im Dezember 2007 wurde die zweijährige Pilotphase des Emissionshandels abgeschlossen, im Januar begann eine neue Runde. Nun werden in Deutschland nur noch 453 Millionen Emissionszertifikate vergeben. Diese Verknappung des Rechtes auf Verschmutzung erhöht den Druck, die klimapolitischen Ziele im Süden zu realisieren.
Von KritikerInnen aus Ländern des Südens wird das CO2-Handelssystem als »Carbon Colonialism« abgelehnt. Denn während die Industrieländer weiter emittieren und die Spielregeln des Handels mit Verschmutzungsrechten bestimmen, sollen die Länder des Südens die Ressourcen für die Wiedergutmachung der Klimaschäden bereitstellen: zum einen Grüne Lungen, zum anderen Verzicht auf CO2 -Emissionen. Auch in den USA und Großbritannien sehen viele umwelt- und entwicklungspolitische Organisationen Carbon Trade sehr kritisch. In Deutschland, Österreich und der Schweiz hingegen beginnt die Debatte darüber erst allmählich.
Christian Stock (aus iz3w 305)
|

